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AMICA e.V. in Tschetschenien

AMICA knüpfte im Sommer 2004 Kontakt zu Lipkan Basajeva, Menschenrechtsaktivistin und Mitbegründerin des Frauenzentrums Frauenwürde in Tschetschenien. Durch ein Therapieangebot, kostenlose Gesundheitsaufklärung und Rechtsberatung, Geburtsvorbereitung sowie Maßnahmen zur Weiterbildung und Existenzsicherung erhalten die Frauen gezielte Hilfe beim Aufbau eines neuen Lebens.

Tschetschenien Zur Situation in Tschetschenien

Tschetschenien, eine autonome Republik in der russischen Föderation, liegt im Nordkaukausus und ist etwa so groß wie Schleswig-Holstein. Gemäß russischen Statistiken liegt die EinwohnerInnenzahl bei 1,2 Millionen EinwohnerInnen, die Mehrheit bekennt sich zum Islam. Der erste Tschetschenienkrieg begann 1994 nach der Unabhängigkeitserklärung der autonomen Tschetscheno-Inguschischen Sowjetrepublik und endete 1997, etwa 80.000 Zivilisten starben in dieser Zeit. Der Zusammenbruch der staatlichen und ökonomische Strukturen sowie Richtungskämpfe zwischen tschetschenischen Gruppierungen ließen das Land auch nach Kriegsende nicht zur Ruhe kommen und verhinderten den Wiederaufbau. Der zweite Tschetschenienkrieg begann Ende 1999 und endete offiziell Ende 2001, wurde allerdings als Anti-Terrorkampf fortgeführt bis 2004. Die Aufhebung des Antiterrorstatus für Tschetschenien erfolgte erst im Frühjahr 2009. Schätzungen gehen von weiteren 20.000 bis 40.000 Opfern des zweiten Krieges aus. Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen, Rebellen und russischen Einheiten dauern in den Bergregionen fort. Der von Russland eingesetzte Präsident der Tschetschenischen Republik, Ramsan Kadyrow, baut seit 2007 ein totalitäres Regime auf. Die Wirtschaft hat sich seit dem Krieg trotz Wiederaufbaumaßnahmen nicht erholt, zumal alle Lebensbereiche von Korruption und mangelnder Rechtsstaatlichkeit geprägt sind. Die medizinische Infrastruktur, das Bildungssystem und die ökologische Situation sind nach wie vor in katastrophalem Zustand. Im Januar 2010 sollte mit der Schaffung eines Nordkaukasischen Föderalen Kreises zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung und Beruhigung der Situation ein Strategiewechsel in der russischen Nordkaukasuspolitik eingeleitet werden.

Zur Situation der Frauen in Tschetschenien

Die Stellung der Frau in der tschetschenischen Gesellschaft wird in starkem Maße von den patriarchalen Gewohnheitsrechten – den Adaten – geprägt, die der Frau die Rolle der Dienerin zuweisen und einen strengen Ehrenkodex beinhalten. Demnach sind Frauen für Haus und Hof verantwortlich. Ob eine Frau heiratet, ob und wo sie arbeitet, eine Ausbildung bekommt oder beispielsweise einen Arzt besucht, entscheidet erst die Familie, später der Ehemann. Eheschließungen werden von den Eltern vereinbart oder durch Brautraub durch den Mann entschieden. In Tschetschenien ist es nach wie vor üblich, Frauen durch Entführung zur Ehe zu zwingen. Die Zwangsehen führen zu schweren psychischen Belastungen der Frauen. Allerdings prägte die Sowjetära vor allem die städtische Bevölkerung und führte dort zu einem Wertewandel und zu einer Orientierung an Rollenbildern der sowjetischen Gesellschaft. So ist ein Großteil der Tschetscheninnen in den Städten gut ausgebildet und berufstätig.

Infolge des Krieges und der massiv angestiegenen Kriminalität in der Zwischen- und Nachkriegszeit wie auch durch den Zerfall des sowjetischen Systems wandelten sich einerseits die traditionellen Geschlechterrollen. Tschetschenische Frauen mussten in den Familien die Rolle von Männer übernehmen und wurden häufig zur alleinigen Erwerbstätigen. Auch durch politisches Engagement traten die Frauen während der Kriege an die Öffentlichkeit: Sie kämpften für die Freilassung ihrer Männer, demonstrierten während des Kriegs und gewannen so neue Erfahrungen und Selbstbewusstsein. Zum Anderen erfolgte eine Rückbesinnung auf die traditionellen Werte, die von dem tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow systematisch propagiert und mit einer national-islamistischen Ideologie unterfüttert wird.

Kadyrows Politik der moralisch-islamischen Wiedergeburt Tschetscheniens zielt offensichtlich auf die Einschränkung der neu erworbenen Freiräume von Frauen. 2007 wurde die Kopftuchpflicht für Beamtinnen eingeführt. Seit 2008 müssen alle Frauen und Mädchen ab sechs Jahren in öffentlichen Gebäuden ein Kopftuch tragen. Zugleich werden Bevölkerungsgruppen, die dem Außenbild von Tschetschenien als erfolgreicher Nation widersprechen, durch Kampagnen gezielt diskriminiert. Diese Kampagnen richten sich insbesondere gegen weibliche Flüchtlinge. Dass Frauen in die alte Rolle zurückgedrängt werden sollen, zeigt auch die informelle Aufforderung der Regierung zur Polygamie, die das Ziel hat, alleinstehende und verwitwete Frauen durch Verheiratung als Zweit- oder Drittfrau zu versorgen und so aus dem Erwerbsleben auszugrenzen. Ein neuer Höhepunkt in der Verletzung von Frauenrechten bildet 2010 eine regelrechte Kampagne gegen Frauen ohne Kopftücher in der Öffentlichkeit während des Ramadans. Frauen ohne islamisch korrekte Kleidung wurden von Männergruppen verfolgt, gewaltsam festgehalten und belästigt.

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Bereits 50 € sichern den Rechtsbeistand, 80 € die Weiterbildung und 150 € die psychologische Betreuung für eine Frau im Krisengebiet:

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