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Erfolg steckt an! Bosnische Landfrauen lernen voneinander

Seit sie der Krieg 1992 aus ihren Dörfern an der Drina vertrieb, begleitet AMICA e.V. die Frauen und ihre Familien aus der Region Zvornik. In den neunziger Jahren fanden viele im Projekthaus in Tuzla eine Anlaufstation. Von 2003 - 2008 begleiteten wir die Familien bei der Rückkehr in ihre Heimat. In dem neuen Projekt, das im Sommer 2017 startete, gaben die Landfrauen aus den Dörfern am Fluss Drina ihr Wissen an Frauen in einer anderen Region weiter.

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Landfrauen aus Zvornik werben für ihre Produkte: Gemüse, Trockenfrüchte und Handwerkliches.

Warum wir uns einsetzen – Weibliche Kriegsopfer sind nach wie vor benachteiligt

Während des Bosnienkrieges wurden geschätzt 20.000 Frauen Opfer psychischer Folter, sexueller Übergriffe und Vergewaltigungen.Der Staat hat bisher sehr wenig unternommen, um die Lebenssituation dieser sehr verwundbaren Gruppe zu verbessern. Die meisten Frauen haben weder eine Entschädigung erhalten, noch soziale Rehabilitation erfahren. "In Bezug auf ihre Schicksale herrscht Totenstille in der Gesellschaft", so unsere Osteuropa-Referentin Sandra Takacs. Entsprechend hoch ist die soziale Stigmatisierung dieser Frauen. Ihre Lage wird zusätzlich durch die schwache Wirtschaft Bosniens, hohe Arbeitslosenzahlen und fehlende soziale Schutzmaßnahmen verschärft.

Was wir tun – Aufbau eigenständiger landwirtschaftlicher Kooperativen

Im Projekt teilen erfahrene Landfrauen ihr Wissen über den Aufbau ihrer erfolgreichen Kooperative mit Frauen in einem anderen Landesteil. In erster Linie geht es um Weiterbildung in den Bereichen Kommunikation und Betriebswirtschaft, außerdem soll die Anbindung an lokale Absatzmärkte verbessert werden. Das wichtigste Ziel ist die Gründung einer eigenen Landfrauengruppe sowie die Anschaffung  der Grundausstattung, damit die Frauen eigenständig wirtschaften können.

Was wir erreichen – Selbstbewusstsein und Perspektiven für Landfrauen

Die Landfrauen in der Region Zvornik haben es vorgemacht und mehrere erfolgreiche Dorfclub aufgebaut. Sie leisten sich gegenseitig Unterstützung, organisieren Kinderbetreuung und Weiterbildung, bauen ihre Produktpalette aus, tätigen Investitionen und nehmen sozialarbeiterische Begleitung in Anspruch.

Auch die Teilnehmerinnen aus der Region Prozor nehmen an unserem psychosozialen Beratungsangebot teil. In Einzel- und Gruppengesprächen erhielten sie die Möglichkeit, sich auszutauschen und Strategien zu erarbeiten, um das eigene Selbstvertrauen zu stärken und um über Gefühle und Wünsche zu sprechen. Was diese Sitzungen bewirken, zeigte sich unter anderem bei Vernetzungstreffen mit Gemeindevertretern. Bei diesen Treffen wurde die Landfrauengruppe unter anderem vom Bürgermeister persönlich zu verschiedenen Messen eingeladen. Zudem wurde darüber beraten, wie die Gemeinde den Frauen bei ihrer Arbeit behilflich sein könnte. Die Teilnehmerinnen ergriffen selbstständig die Initiative und waren bereit, einen großen Schritt aus ihrem gewohnten Umfeld heraus zu machen. Auf den lokalen Messen knüpften sie weitere Kontakte zu anderen Initiativen und erweiterten ihr Netzwerk in der Region.

Training Kommunikation

Training und Wissensaustausch im Bereich Kommunikation. Foto: AMICA e.V.

Im Rahmen des Weiterbildungsangebots erlangten die Teilnehmerinnen außerdem Wissen darüber, wie sie ein eigenes Einkommen erzielen können. In diesem Jahr führt eine Trainerin aus Tuzla weitere Trainingseinheiten im Bereich Betriebsführung durch, unter anderem auch um den Fortbestand der Landfrauengruppe „Frauenecke Prozor“  zu sichern. Die Gruppe produziert derzeit ca. 100 Liter Milch am Tag. Durch Investitionen in Nutzvieh oder eine Milchkühlanlage soll dieser Ertrag gesteigert werden, damit die Frauen in Zukunft einen Zuliefervertrag abschließen können.

Landfrauen der Region Prozor treten gestärkt in die Öffentlichkeit und haben an Sicherheit und Selbstbewusstsein gewonnen. Wir fördern den Übergang von der Selbstversorgung zur Erzielung eines eigenen Einkommens. Die wirtschaftliche Förderung von Frauen in Nachkriegsregionen ist eine wichtige Aufgabe, denn die stärkere Teilhabe von Frauen in der Gesellschaft trägt zum Aufbau einer gerechteren und gewaltfreien Zukunft bei.

 

Das Projekt ist abgschlossen. Es wurde von der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH gefördert und durch Spenden an AMICA e.V. ermöglicht.

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