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Straflosigkeit in Bosnien und Herzegowina beenden. Schutz und Perspektiven für Überlebende von sexualisierter Kriegsgewalt

Auch 23 Jahre nach Kriegsende kämpft der Westbalkanstaat mit der Aufarbeitung seiner Kriegsvergangenheit. Insbesondere Überlebende von geschlechtsspezifischen Kriegsverbrechen leiden darunter, dass Gesetze und Gerichtsbarkeit nur langsam greifen. Mindestens 20 000 Menschen, vor allem Frauen und Mädchen, fielen während des Krieges sexualisierter Gewalt zum Opfer – doch die geringe Zahl an Verurteilungen sowie ausbleibende Entschädigungen verhindern, dass Überlebende mit der Vergangenheit abschließen können. Potentiellen Zeug*innen werden gesellschaftlich stigmatisiert und erhalten nur unzureichenden Schutz und Unterstützung. Hier soll unser neues Projekt ansetzen.

Links: Kriegsgräber in Sarajevo. Rechts: Die Zeitzeugin Bakira Hasečić. Fotos: AMICA e.V.

Warum wir uns einsetzen –  Straflosigkeit beenden

Frauen, die geschlechtsspezifische Kriegsgewalt überlebt haben, leiden häufig unter sozialer Ausgrenzung. Viele leben im ländlichen Raum, wo es nur wenige Möglichkeiten gibt, eigenständig den Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Überlebenden müssen mit den psychischen und körperlichen Folgen der Gewalt zurechtkommen, oftmals sogar Tür an Tür mit den Tätern. Als potentielle Zeuginnen spielen ihre Aussagen eine entscheidende Rolle in Kriegsverbrecherprozessen. Dennoch wird wenig dafür getan, sie zu stärken, zu zur Aussage zu befähigen und zu rehabilitieren. Obwohl sie Rechte einfordern könnten, verhindern Stigmatisierungen und mangelhafte Unterstützungsstrukturen, dass sie diesen Schritt gehen.

Die staatliche Hilfe für Opfer von sexualisierter Gewalt in Kriegszeiten ist zum Beispiel vom Wohnsitz abhängig und grenzt zahlreichende Überlebende von Sozialleistungen aus. Hinzu kommt der mangelhafte Zeug*innenschutz: Diejenigen, die den großen Schritt wagen und vor Gericht gehen, sind gezwungen, in Zivilprozessen auf Entschädigung zu klagen. Ihre Fälle werden oft als nicht komplex genug erachtet und somit nicht auf nationaler Ebene abgewickelt. In Zivilprozessen müssen Überlebende ihre Identität preisgeben und zusätzliche Kosten schultern. Hinzu kommt, dass es an rechtlichen und psychologischen Betreuungsmöglichkeiten mangelt. Auf sich allein gestellt und wohlwissend, dass ihre Identität nicht geschützt wird, entscheiden sich viele Frauen schließlich gegen eine Zeugenaussage.

Einsatz für Zeuginnen von Kriegsverbrechen in Bosnien-Herzegowina. Foto: AMICA e.V.

Was wir tun - Zeuginnen stärken

Gemeinsam mit unseren Partnerinnen fördern wir bereits bestehende Vorhaben und stärken den Dialog zu zivilen Akteuren und Vertretern von staatlichen Institutionen. Um die Identität potentieller Zeuginnen und Zeugen wirksam auch im Rahmen von Zivilprozessen besser zu schützen, bemühen wir uns um eine entsprechende Änderung des Zeug*innenschutzgesetz, beziehungsweise des Strafrechts in Bosnien-Herzegowina.

Die psychosoziale Unterstützung im Rahmen von langwierigen Gerichtsprozessen umfasst auch die Nachbetreuung der Frauen, um ihre wirtschaftliche Position in der Gemeinschaft nachhaltig zu verbessern. Durch den Aufbau einer Landfrauen-Kooperativen erhalten die Frauen die Möglichkeit, mithilfe von Investitionen, Weiterbildung und Vermarktung von Produkten in Zukunft ein stabiles Einkommen für sich und ihre Familien erzielen.

Qualifizierung von Frauen einer Landfrauenkooperative. Foto: AMICA e.V.

Was wir erreichen

Kriegsverbrecherprozesse sind wichtig für die Aufarbeitung der Vergangenheit und das Zusammenwachsen einer zerbrochenen Gesellschaft: Sie können helfen, Wunden zu heilen und tragen zu Versöhnungs- und Wiederaufbauprozessen bei. Unser Projekt leistet einen Beitrag, um diese Prozesse in Bosnien-Herzegowina  voranzutreiben und den Schutz von potentiellen Zeuginnen und Zeugen zu gewährleisten.  Frauen, die Opfer von (sexualisierter) Kriegsgewalt wurden und gegen ihre Täter aussagen wollen, werden geschützt und durch psychosoziale Beratung sowie wirtschaftliches Empowerment nachhaltig auf diesem langwierigen  Weg gestärkt.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert und durch Spenden an AMICA e.V. unterstützt.

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