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Gewalt gegen Frauen bekämpfen

Gewalt im sozialen Nahbereich stellt besonders in Nachkriegsregionen ein großes Problem dar. Alle AMICA-Partnerinnen berichten über eine zunehmende Zahl von Klientinnen, die über Übergriffe in der Familie und in ihrem täglichen Umfeld klagen. Deshalb vernetzt AMICA für drei Jahre drei Fachorganisationen in drei Regionen und engagiert sich gegen Gewalt.

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Kampagne gegen Gewalt:TV-Auftritt unserer Projektpartnerin

Warum wir uns einsetzen – Willkür gegenüber Frauen

Viele Frauen im Kosovo leiden unter einem archaischen Gesetz. Der Kanun wird seit dem 15. Jahrhundert mündlich überliefert und regelt das Leben in der albanischen Großfamilie. Den Frauen kommt dabei nur eine untergeordnete Rolle zu. Besonders in ländlichen Regionen steht der Kanun auch heute noch neben dem modernen Staatsrecht.

Dies wirkt sich besonders auf die Situation alleinerziehender Frauen im Kosovo aus. Die meisten von ihnen (82%) sind nach einer Studie der AMICA-Partnerin in Prizen Kriegswitwen. Nur wenige von ihnen können ein eigenständiges Leben führen. Die meisten wohnen bei der Großfamilie des verstorbenen oder vermissten Mannes oder bei den eigenen Eltern. Da diese Frauen oft keine Arbeit und kein eigenes Einkommen haben, sind sie der Willkür der Verwandten ausgesetzt. Sie berichten den Mitarbeiterinnen von Misshandlungen und unwürdigen Lebensumständen. Die meisten stehen unter großem Druck innerhalb der Familie, leiden unter Ausbeutung und fehlenden Möglichkeiten, ihr Leben nach eigenen Wünschen zu gestalten.

Was wir tun – SOS-Hotline und Täterarbeit

Die lokale Partnerorganisation ist ebenfalls am internationalen Netzwerk-Projekt von AMICA  angeschlossen. In Prizren und dem Umland haben die Sozialarbeiterinnen Selbsthilfegruppen aufgebaut. Bei monatlichen Besuchen beraten sie die Teilnehmerinnen zu psychosozialer Gesundheit und Rechtsfragen. Inzwischen haben die Gruppen Sprecherinnen gewählt, die am Kosovarian Women's Network anknüpfen und sich mit ihren Anliegen an ParlamentarierInnen wenden.

Das Team vor Ort etabliert außerdem eine SOS-Hotline und bewirbt sie in den Medien. Frauen, aber auch Männer nutzen das Angebot einer anonymen Beratung. Viele vereinbaren anschließend einen persönlichen Gesprächstermin. An den Runden Tischen zum Thema „Gewalt gegen Frauen bekämpfen“ nehmen Personen in Schlüsselfunktionen teil – darunter der Direktor des Gesundheitsamts, der Genderbeauftragte der Stadt Prizren, VertreterInnen des Zentrums für Soziale Arbeit, ein Anwalt sowie Mitarbeiterinnen weitere Nichtregierungsorganisationen.

Eine absolute Neuerung im Kosovo stellt die Arbeit mit Tätern dar. Das Zentrum für Soziale Arbeit stellt die Kontakte zu den Männern her, ein Psychologe leitet die Gruppensitzungen. Die Trainings finden in regelmäßigen Abständen statt. Während der Kampagne "16 Tage gegen Gewalt" veranstaltete unsere Partnerorganisation außerdem einen Malwettbewerb zum Thema.

Was wir erreichen – Frauen stärken einander den Rücken

Die Frauen im Kosovo stärken einander den Rücken, sie sprechen füreinander und treten füreinander ein. Das ist ein großer Erfolg in dem kleinen Land. Die Arbeit mit Tätern bricht Jahrhunderte alte Muster auf. Eine Reflektion über Gewalt und die eigene Einstellung dazu soll gefördert werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieses Konzept durchsetzen wird.

Das Projekt wurde vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und durch Spenden an AMICA finanziert.

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