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Frieden und Versöhnung

Prizren.JPGIn der Badehose, so glaubte Feti, sei das Taschengeld am sichersten, das ihm seine Eltern für die Fahrt nach Montenegro mitgaben. Nach dem Toben und Planschen im Meer war der Notgroschen jedoch verschwunden und der Zwölfjährige am Boden zerstört. Für ihn schien der Spaß im AMICA-Feriencamp zu Ende. Doch dann legten die anderen Kinder zusammen: junge Albaner, Roma und Serben, alle zweigten etwas von ihrem Taschengeld ab, um Feti weiterhin einen fröhlichen und sorglosen Aufenthalt am Meer zu ermöglichen.

Es ist eine erstaunliche und erfreuliche Erfahrung, denn diese Kinder wachsen in Rahovec auf, einer kleinen Stadt im Kosovo, die durch Soldaten und Stacheldraht gesichert werden muss, um Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen zu vermeiden.

Für die Jugendlichen im Kosovo und in Bosnien hat der Krieg nicht irgendwo stattgefunden, sondern vor ihrer Haustür, in ihrer Straße, in ihrer Schule. Wenn die vertriebenen Familien nach dem Ende des bewaffneten Konflikts zurückkehren, begegnen sich die Kinder der Kriegsparteien an Orten wieder, die Schauplatz von Kriegsverbrechen waren. So wurden Schulen im Drinatal in Bosnien als Gefangenenlager und Hinrichtungsstätte benutzt. Heute sind die Wände neu gestrichen und die Schüler haben in den Räumen Unterricht, in denen möglicherweise der Vater, der Onkel, der große Bruder starben. Die Eltern und auch die Lehrer sind oftmals selbst von dem Leid betroffen und kaum in der Lage, über die Geschehnisse während des Kriegs zu sprechen. Die Belastungen für die Kinder sind nur schwer vorstellbar.

Mit Programmen wie Ferien vom Krieg, Jugendcamps am Meer und mobiler Sozialarbeit versucht AMICA e.V. Entlastung zu schaffen, neue Perspektiven zu bieten sowie Toleranz und ein Miteinander zu fördern. Unter der Anleitung von erfahrenen, pädagogischen Fachkräften tauschen sich die Kinder über ihre Wünsche und Zukunftspläne aus, besprechen ihre Sorgen und Hoffnungen und diskutieren über die Wertvorstellung ihrer jeweiligen Gesellschaft. In Workshops setzen sie sich spielerisch mit Themen wie Menschenrechte, Frieden und Versöhnung auseinander. Vor allem aber lernen sie „die Anderen“ kennen und schließen Freundschaften über alle Grenzen hinweg – so wie Feti und die anderen Kinder am Meer.

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