Sie sind hier: Startseite Themen Krieg und Gewalt

Krieg und Gewalt

BiH1993.jpeg

Überlebende des Krieges: Klientinnen und Mitarbeiterinnen im AMICA-Projekthaus in Tuzla 1994

Siebenundzwanzig Jahre lang war Ulima verheiratet. Sieben Kinder hat sie geboren. Während ihrer Ehe ertrug sie die Schläge, Misshandlungen und Demütigungen durch ihren Mann. Sie musste erleben, wie er ihre Kinder gegen sie aufhetzte, bis diese nichts mehr mit der Mutter zu tun haben wollten. Als Ulima sich wehrte, wies ihr Mann sie in die Psychiatrie ein, wo sie mit Medikamenten ruhig gestellt wurde. Gewalt gegen Frauen stellt in Nachkriegs- regionen und Krisengebieten ein großes Problem dar. Sowohl innerhalb der Familie als auch in der Gesellschaft oder im öffentlichen Raum kommt es zu Übergriffen, die häufig aus Scham oder Angst nicht angezeigt und geahndet werden.

Ganz besonders betroffen sind Frauen, die in schwierigen ökonomischen Verhältnissen und in ländlichen Regionen leben. Sie haben kaum die Möglichkeit, juristische und psychosoziale Hilfe in Anspruch zu nehmen. Häufig leben sie in Abhängigkeitsverhältnissen, die eine Anzeige gegen die Täter unmöglich machen. Eine Frau, die ihre Gewalterfahrung öffentlich macht und anzeigt, erfährt soziale Ächtung bis zu physischer Bedrohung durch Familienmitglieder. Daher schweigen viele Betroffene und ertragen die Gewalt oft jahrelang.

Das Thema Gewalt gegenüber Frauen ist in der Gesellschaft in den Projektregionen von AMICA noch immer ein Tabu, der Umgang innerhalb der Familie gilt als Privatsache. Zwar stellt die offizielle Gesetzgebung in Bosnien und im Kosovo Gewaltanwendungen gegen Frauen jeder Art unter Strafe und verspricht Gewaltopfern Rechtsbeistand. Tatsächlich aber übernehmen kommunale und staatliche Stellen bislang zu wenig Verantwortung. Eine ausreichende Betreuung der Opfer und die strafrechtliche Verfolgung der Täter sind nicht gewährleistet.

Ulima durchbrach den Teufelskreis der Gewalt – auch dank der Begleitung und Beratung durch unsere Sozialarbeiterinnen. Sie nimmt nun regelmäßig an den Sitzungen der Selbsthilfegruppe zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ teil. Heute ist sie von ihrem Mann geschieden und hat wieder ein gutes Verhältnis zu ihm, vor allem aber auch zu ihren Kindern und Enkeln. Viele jüngere Betroffene  sehen in dieser starken Frau mit ihrer bewegten Lebensgeschichte mittlerweile ein Vorbild.

In dem länderübergreifenden Vernetzungsprojekt „Gewalt gegen Frauen bekämpfen“ setzen wir uns deshalb für mehr Schutz und Rechtssicherheit für betroffene Frauen ein und arbeiten auch an der Bewusstseinsbildung der Täter.

Zum nächsten Thema Traumabewältigung

Helfen Sie mit

Bereits 50 € sichern den Rechtsbeistand, 80 € die Weiterbildung und 150 € die psychologische Betreuung für eine Frau im Krisengebiet:

Jetzt spenden »

Jetzt Mitglied werden »

Jetzt aktiv werden »