seit 2017 in der Ukraine

Im Osten der Ukraine wird noch immer gekämpft. In der Pufferzone und in den Regionen mit vielen Binnenvertriebenen leiden Frauen und Mädchen unter Gewalt. AMICAs Partnerorganisation baut mit mobilen Teams Unterstützungsstrukturen mit psychosozialer Beratung auf.

Konflikt in der Ostukraine

Unterstützung kriegstraumatisierter und gewaltbetroffener Frauen und Mädchen

Der Osten der Ukraine kommt nicht zur Ruhe: Mehr als vier Jahre nach der Unterzeichnung der beiden Minsker Abkommen flammen immer wieder neue Auseinandersetzungen und Kämpfe auf. In der sogenannten Pufferzone sowie in den östlichen Regionen des Landes ist die Konzentration an Binnenvertriebenen am höchsten. Frauen und Mädchen trifft der andauernde Konflikt hier besonders schwer, denn das Risiko Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt zu werden, steigt entlang der „Kontaktlinie“ der kämpfenden Parteien enorm.

Warum wir uns einsetzen

 

Von einem „gefrorenem Konflikt“, wie die Auseinandersetzungen in der Ukraine in den Medien oft bezeichnet werden, kann kaum die Rede sein. Allein im Jahr 2018 wurden 29 Zivilisten getötet und 109 Menschen verletzt. Es mangelt an allem, der Zugang zu lebenswichtigen Informationen und Dienstleistungen ist stark eingeschränkt. Gewalt, darunter insbesondere häusliche Gewalt, nimmt in dieser aufgeladenen Umgebung zu. Betroffene haben kaum Möglichkeiten, geeignete Unterstützung aufzusuchen. Zu groß ist die Furcht vor einer Stigmatisierung, zu klein das Vertrauen in staatliche Einrichtungen.

Im Jahr 2017 führten wir eine Prüfmission in der Ukraine und Russland durch und sprachen mit den Frauen vor Ort über ihrer derzeitige Lebenssituation. Im Mai 2018 hat unsere Partnerorganisation vor Ort eine anonyme Umfrage in den Außenstellen entlang der Kontaktlinie durchgeführt: 94 Prozent der befragten Frauen und Mädchen mussten demnach psychische Gewalt erleben, 86 Prozent gaben an, dass sie eine Form von körperlicher Gewalt erleiden mussten. Fast alle betonten, dass sie dringend Hilfsleistungen benötigen.

In der Ukraine ist es nicht üblich, über persönliche Probleme zu reden, psychologische Hilfe wird mit großem Misstrauen betrachtet. Gerade diese Form der Unterstützung ist jedoch dringend notwendig. Bleibt die erlittene Traumatisierung der Überlebenden unbearbeitet, so hat das nachweislich gravierende Langzeitfolgen. Damit eine Gesellschaft den langwierigen Wiederaufbau- und Versöhnungsprozess, der einem Konflikt folgt, bestreiten kann, damit Überlebende eines Kriegs wieder selbständig ihr Leben bestreiten können, müssen die Erfahrungen der Vergangenheit aufgearbeitet werden.

 

Was wir tun

In Zusammenarbeit mit unserer Partnerorganisation in Mariupol entlasten wir Frauen und Mädchen mit einem Angebot, das auch darauf abzielt, das existierende Stigma um psychologische Hilfe abzubauen. Durch eine Kombination aus psychosozialen Beratungsangeboten, medizinischen Hilfsleistungen, Rechtsberatung sowie Therapie werden Frauen und Mädchen in der Pufferzone durch mobile Teams dabei unterstützt, sich über ihre Probleme auszusprechen, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten, Strukturen zur Selbsthilfe aufzubauen und hoffnungsvoller in die Zukunft zu blicken.

Auch Institutionen und Behörden nehmen wir im Rahmen des Projekts in den Blick: Fachfrauen schulen beispielsweise die Polizei zu den Bedürfnissen von und dem Umgang mit Überlebenden von Gewalt. Unsere Projektpartnerin in Mariupol leitet zudem Teilnehmerinnen dazu an, eigene Gesprächsgruppen und Vereine zu bilden. So wird die Hilfe zur Selbsthilfe gefördert.

 

Was wir erreichen

Durch psychosoziale Begleitung und verschiedene Beratungsangebote stellen wir das stark erschütterte Vertrauen vieler Frauen in das Hilfs- und Rechtssystem, in die Zukunft und in die eigenen Fähigkeiten wieder her.

Wir tragen dazu bei, dass Frauen und Mädchen in der Ukraine wieder Kraft schöpfen, mit Hoffnung in die Zukunft blicken und neue Perspektiven erschließen. Eine Teilnehmerin, die wir im Rahmen unserer Prüfmission zu ihren Wünschen und Bedürfnissen befragen, bringt es auf den Punkt: „Wir sollten uns wieder als menschliche Wesen fühlen können.

 


Das Projekt wird durch durch Spenden an AMICA e.V. ermöglicht und vom Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) aus Mitteln des Auswärtigen Amtes finanziert.

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