Region Iwano-Frankiwsk
Das Beratungszentrum unserer Partnerorganisation in Iwano-Frankiwsk im Westen der Ukraine ist eine wichtige Anlaufstelle für Frauen, die aus den östlichen Gebieten fliehen mussten, von geschlechtsbasierter Gewalt betroffen und schwer traumatisiert sind. Dort finden sie einen Schutzraum und die benötigte psychologische Versorgung.
Wichtige Anlaufstelle für Binnenvertiebene
im Westen der Ukraine
Unsere Zusammenarbeit mit Berehynia hat 2018 begonnen – damals in Mariupol, wo die Organisation sich 2014 gegründet hatte, um vertriebene Frauen aus den Regionen Donezk und Luhansk in der Ostukraine zu unterstützen.
Gemeinsam unterstützen wir geflüchtete Frauen dabei, sich ein neues Leben weit weg von zu Hause aufzubauen. Sie helfen ganz konkret bei alltäglichen Angelegenheiten: eine Unterkunft suchen, Sozialleistungen beantragen, eine Schule für das Kind finden oder einen Arzttermin ausmachen.
In der Anlaufstelle finden die Frauen zudem psychosoziale, psychologische und rechtliche Beratung sowie therapeutische Unterstützung. Zudem erhalten sie die Möglichkeit, sich weiterzubilden, um sich neue berufliche Perspektiven aufzubauen und eigenständig Geld zu verdienen.
Unsere Partnerinnen unterstützen zudem Frauen, die in der Nähe der Frontlinie geblieben sind: Die Aktivitäten ihrer Anlaufstelle in Dnipro, die sie direkt nach dem Angriffskrieg eröffnet hatten, mussten sie aufgrund der Sicherheitslage einstellen. Die psychologische Beratung geht aber online und – sofern die Sicherheitslage es erlaubt – mobil weiter.
Die Aktivitäten umfassen:
- Psychosoziale und rechtliche Beratung
- Kunsttherapie und Gruppentherapie
- Weiterbildungen wie Nähkurse, Kosmetikkurse, Manikürekurse
- Gründung von Selbsthilfegruppen. Dadurch werden zivilgesellschaftliche Strukturen geschaffen, die die gesellschaftliche Beteiligung von Frauen fördern.
- Supervisionen und Trainings für die im Projekt angestellten Fachkräfte
- Multiplikator*innenschulungen zum Umgang mit Frauen, die Krieg und geschlechtsbasierte Gewalt erlebt haben, für staatliche und zivilgesellschaftliche Beratungsstellen
Foto: Klientin beim Nähkurs im Beratungszentrum ©AMICA
Ein geschützter Raum für Empowerment und Zugewandtheit
- Die teilnehmenden Frauen werden psychisch gestärkt. Physische Symptome in Folge der psychischen Belastung reduzierten sich beispielsweise durch die Beratung
- Die Frauen fühlen sich nach eigenen Aussagen durch die Beratung häufig optimistischer und weniger hilflos
- Sie fühlen sich nach der Beratung unterstützt und können wieder mehr Vertrauen zu ihren Mitmenschen aufbauen
- Die Selbsthilfekapazitäten der Betroffenen wurden gestärkt
- Die Frauen erleben Solidarität und bauen sich nach der Flucht ein neues soziales Netzwerk auf
- Frauen machen sich selbstständig und können ein Einkommen generieren
Wir tragen dazu bei, dass Frauen und Mädchen in der Ukraine wieder Kraft schöpfen, mit Hoffnung in die Zukunft blicken und neue Perspektiven erschließen. „Jedes Treffen ist geprägt von einer warmen, entspannten Atmosphäre, von Motivation, Unterstützung und Inspiration,“ berichten unsere Partnerinnen vom „Women´s Club“ in Iwano-Frankiwsk. „Hier können sich die Frauen kreativ ausdrücken, aktuelle und persönliche Themen diskutieren und Freundschaften schließen.“
» Unsere Partner*innen
Wer ist die Frauenrechtsorganisation Berehinya?
Die Frauenrechtsorganisation Berehynia wurde in Mariupol 2015 im Zuge des Konflikts zwischen prorussischen Separatisten und den ukrainischen Regierungstruppen gegründet. Unsere Partner*innen bauten dort ein Beratungszentrum für Frauen, die das umkämpfte Gebiet verlassen mussten, auf – ab 2018 mit der Unterstützung von AMICA. Als im Februar 2022 der russische Angriffskrieg auf die gesamte Ukraine begann, konnten unsere Partner*innen ihr Wissen, bestehende Netzwerke und Strukturen nutzen, um Menschen in Mariupol und der Umgebung mit Nothilfe zu unterstützen: Sie versorgten sie mit Lebensmitteln, Medikamenten und Hygieneartikeln, brachten Geflüchtete in Notunterkünften unter und evakuierten Zivilist*innen aus dem Konfliktgebiet. Insgesamt organisierten unsere Partner*innen ab Februar 2022 bis 2024 die Evakuierung von 2946 Frauen und 1869 Kindern aus dem Kriegsgebiet. Nachdem ihr Beratungszentrum in Mariupol zerstört wurde und unsere Partner*innen selbst fliehen mussten, bauten sie zwei neue Beratungsstellen für gewaltbetroffene Frauen auf: in Dnipro und in Iwano-Frankiwsk.

Die Aktivitäten werden durch Spenden an AMICA e.V. ermöglicht und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie von der Baden-Württemberg Stiftung gefördert.
