AMICA im Libanon

Der Libanon zählt zu den 10 geschlechterungleichsten Ländern der Welt. Patriarchale Strukturen führen zusammen mit Perspektivlosigkeit, Stress und Frustration in der Bevölkerung konfessionsübergreifend dazu bei, dass Gewalt gegen Frauen stetig zunimmt.

Frauenrechte im Libanon

Zwischen Wirtschaftskrise und Gewalt

Seit dem Bürgerkrieg (1975 – 1990) steckt der Libanon in einer Dauerkrise. Das Land ist bankrott. Es fehlt mittlerweile an den grundlegendsten Dingen: An Medizin, ärztlicher Hilfe, funktionierender Strom-und Wasserversorgung, sogar an Lebensmitteln. Unsere Partnerorganisation spricht von einem „schlafenden Staat“, insbesondere, was den Schutz von Frauen angeht.
Frauen, die in den kriegsbedingten Flüchtlingslagern nahe der syrischen Grenze leben, sind besonders gefährdet, Gewalt und sexuelle Ausbeutung zu erleiden. Seit Beginn des Kriegs in Syrien nehmen die Anrainerstaaten Millionen von Geflüchteten auf. Gemessen an seiner Einwohnerzahl bietet der Libanon weltweit den meisten Menschen Schutz. Jede*r vierte bis fünfte Einwohner*in des Libanon ist aus Syrien geflüchtet, davon sind ca. 75 – 80% Frauen und Kinder.

» Unser Projekt

Geschützte Räume

Unsere Partnerorganisation aus Beirut berät in einem Zentrum in der Bekaa-Ebene gewaltbetroffene Frauen aus Syrien und aus dem Libanon. Unsere Partner*innen klären über Gewalt gegen Frauen sowie über die Rechtslage auf und bieten psychologische Unterstützung an. Außerdem können sich Frauen in Notsituationen über eine Telefon-Hotline beraten lassen. In schwerwiegenden Fällen helfen unsere Partnerinnen den Frauen, einen Platz in einem Schutzhaus zu bekommen.

 

Die Aktivitäten umfassen:

  • Psycho-soziale, rechtliche, therapeutische Einzelberatungen und Gruppentherapien
  • 24/7 Nottelefon für Beratungsgespräche und Nothilfesituationen
  • Zertifizierte Weiterbildungskurse in Business Management
  • Informationsveranstaltungen für Frauen aus Syrien in den Flüchtlingslagern zu den Angeboten des Unterstützungszentrums sowie zu Themen wie Gewalt gegen Frauen, Zwangsheirat etc.
  • Kinderbetreuung während der Beratungen und Informationsveranstaltungen
  • Verteilung von Hygiene-Kits in den Flüchtlingslagern
  • Aufbau eines Sensibilisierungsprogramms für (potenzielle) Gewalttäter
  • Capacity-Building zu den Themen Gender, Gewalt, Geschlechterungleichheit auf kommunaler und nationaler Ebene
  • Überprüfung und Überarbeitung der nationalen Gesetzgebung
  • Kampagnenarbeit gegen Gewalt an Frauen

 

Was wir zusammen erreichen: Weniger Gewalt, mehr Schutz

  • Unterstützungsangebote im geschützten Raum für gewaltbetroffene Frauen
  • Erhöhtes Wohlbefinden, Handlungsfähigkeit und Bewusstsein, um auf Gewalt zu reagieren und ihr vorzubeugen
  • Sensibilisierung und Aufklärung der Gesellschaft über geschlechtsbasierte Gewalt und Geschlechterungleichheit
  • Prävention häuslicher Gewalt
  • Schutz von Frauen und Mädchen auf legislativer Ebene
  • Reduzierung von (sexueller) und genderbasierter Gewalt gegen Frauen

Die Arbeit unserer Partnerorganisation verbessert das Beratungsangebot für Frauen im Libanon wesentlich. Im Beratungszentrum finden Frauen einen geschützten Raum, in dem sie zur Ruhe kommen können und kompetente Unterstützung erhalten. Das Engagement zeigt eine breite Wirkung: Immer mehr Frauen lassen sich im Zentrum auch in Gesprächsführung und Frauenrechten weiterbilden, um in ihrem persönlichen Umkreis Menschen zu helfen und für das Thema zu sensibilisieren.

 

Raus aus der Isolation: Anlaufstellen für Frauen in Geflüchteten-Lagern

Frauen auf der Flucht sind einem hohen Risiko ausgesetzt, Gewalt und sexuelle Ausbeutung zu erfahren. Die Lebensbedingungen in den Geflüchteten-Lagern im Libanon sind katastrophal. Der Libanon verleiht den Geflüchteten aus Syrien keinen offiziellen Status als Flüchtlinge. Illegalisiert finden sie keinen Schutz in offiziellen Flüchtlingslagern. Die meisten leben daher in informellen Siedlungen. Sie übernachten in verfallenen Häusern, leerstehenden Fabrikhallen, in Zelten, die sie notdürftig aus Planen errichtet haben. Viele sind traumatisiert. Es mangelt an praktisch allem: an Strom- und Wasserleitungen und an medizinischer Versorgung. Wegen geringer Bildungschancen und ihres illegaisierten Status haben sie kaum Aussicht auf Arbeit. In den Notunterkünften finden die Menschen weder Schutz vor der Kälte noch vor den zunehmenden Übergriffen.

Vor allem Frauen und Mädchen sind in dieser Lage sexualisierter Gewalt, Ausbeutung, Zwangs-und Kinderheirat ausgesetzt. Durch die verzweifelte Lage nimmt auch die Gewalt innerhalb der Familien zu. Das gemeinsame Projekt mit unserer Partnerorganisation setzt daher bei der Stärkung der besonders marginalisierten Frauen in den informellen Geflüchteten-Lagern an. Sie schaffen eine Anlaufstelle für Frauen aus den isolierten Lagern, um die zu erreichen, die sonst keine Hilfe erhalten. Ununterbrochen setzen sie sich dort ein, wo sich der Staat zurückzieht, wo sonst nicht hingesehen wird.

 


Das Projekt wird durch Spenden an AMICA e.V. ermöglicht und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der GRATIA Stiftung der evangelischen Frauen in Baden finanziert.

"نحن نتمسك معا"
"Wir halten zusammen!"

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