AMICA und SOS Humanity:
Frauen an Bord schützen

Foto: Max Cavallari

Wer vor Kriegen, Verfolgung, Hunger, Armut oder Klimakatastrophen fliehen muss, findet kaum legale Wege, in Europa Schutz zu suchen. Für viele ist die Fluchtroute über das Mittelmeer die einzige Option – und eine der gefährlichsten. Zivile Rettungsschiffe der Seenotrettungsorganisation SOS Humanity kreuzen vor der libyschen und tunesischen Küste, um Menschen in Seenot zu retten. An Bord werden Gerettete professionell versorgt. Für Frauen und Mädchen gibt es ein spezifisches Betreuungs- und Schutzprogramm.

» Fluchtroute Mittelmeer

Tödliche EU-Außengrenze

Wenn Menschen an Bord eines Rettungsschiffes steigen, haben sie oft lange und gefährliche Etappen hinter sich. Die Überfahrt in überfüllten, seeuntauglichen Schlauchbooten ist lebensgefährlich.
Das Meer ist nicht die einzige Gefahr. Geflüchtete sind der Gewalt von Schleppern schutzlos ausgeliefert.
Hinzu kommen die systematischen Pushbacks insbesondere der libyschen Küstenwache, die Boote auf hoher See abfängt und die Menschen gewaltsam nach Libyen zurückdrängt.

Foto: Pietro Bertora

Zahlen aus dem Jahr 2025

155.100
Menschen haben Europa über das Mittelmeer erreicht.
UNHCR, Januar 2026

1.952
Menschen wurden als verstorben oder vermisst registriert. Die Dunkelziffer ist höher.
UNHCR, Januar 2026

12.192
Menschen wurden allein bis Anfang September von zivilen Schiffen gerettet.
SOS Humanity, Stand September 2025

» Genderspezifische Gewalt

Frauen auf der Flucht

Wenngleich Frauen und Mädchen in den zahlreichen Statistiken über Migration häufig unsichtbar bleiben, wagen sie aus ähnlichen Gründen wie Männer die Flucht über das Mittelmeer. Als Frauen und Mädchen erfahren sie darüber hinaus spezifische Gewaltformen wie weibliche Genitalverstümmelung, Zwangsheirat, Ausbeutung und Zwangsprostitution sowie Vergewaltigung als Kriegswaffe. Diese genderspezifischen Risiken enden nicht, wenn Frauen ihr Herkunftsland verlassen. Oft erfahren sie auf der Flucht weitere Gewalt und Ausbeutung. Insbesondere schwangere Frauen und Frauen mit kleinen Kindern sind zutiefst physisch und psychisch erschöpft.
Foto: Camilla Kranzusch

Ich war entschlossen, [Libyen] zu verlassen, und beschloss, die nächste Bootsfahrt zu nehmen, egal was es kosten würde. Ich ging an Bord des Bootes und dieses Mal waren auch andere Frauen an Bord. Ich war sehr erleichtert, andere Frauen zu sehen; es gab mir ein Gefühl von Trost und Stärke. Wenigstens war ich nicht mehr allein unter Männern, wie es seit meiner Ankunft in Libyen der Fall gewesen war. Die Fahrt auf dem Boot war nicht einfach. Wasser drang in das Boot ein und der Motor fiel mehrmals aus. Letztendlich setzten wir unsere Überfahrt fort, bis [der Humanity 1] uns fand. Ich habe das Gefühl, […] eine zweite Chance bekommen zu haben. ”

 

Jamila* floh schon als Kind mit ihrer palästinensischen Familie: Von Syrien nach Gaza und dann Ägypten, schließlich wieder zurück nach Syrien. Als Erwachsene macht sie sich durch Libyen auf den Weg übers Mittelmeer, wo sie im Juli 2024 von der Crew der Humanity 1 gerettet wird.
*Name geändert

Frauen an Bord schützen – die Zusammenarbeit von AMICA und SOS Humanity

Mit dem Rettungsschiff Humanity 1 bringt SOS Humanity mehr Menschlichkeit aufs Mittelmeer. Die zivile Seenotrettungsorganisation rettet Menschen, die Schutz vor dem Ertrinken suchen, versorgt sie an Bord professionell und bringt sie sicher an Land. Die meisten Boote, die sie aus Seenot rettet, kommen aus Libyen und Tunesien.

Die Crew der Humanity 1 hat seit August 2022 insgesamt 515 Frauen und Mädchen aus Seenot im zentralen Mittelmeer gerettet und anschließend an Bord versorgt. Darunter waren 29 schwangere Frauen (Stand Dezember 2025).

Mit ihrem Schutz- und Betreuungskonzept für gerettete Frauen sorgt das Care-Team dafür, dass sich die Frauen an Bord möglichst sicher fühlen und sich erholen können.

 

Was umfasst dieses Schutz- und Betreuungskonzept an Bord?

 

  • einen Schutzraum für Frauen und ihre Kinder: In der Frauenunterkunft befindet sich einen Aufenthaltsraum für Kinder. Männer werden nicht zugelassen.
  • eine Hebamme: Sie versorgt schwangere Frauen und ist eine wichtige Vertrauensperson für alle Frauen und Mädchen an Bord.
  • medizinische Versorgung: Ein Fetaldoppler, eine mobile Ultraschallsonde und ein gynäkologischer Stuhl stehen für eine ärztliche Untersuchung zur Verfügung. Sollte ein Problem festgestellt werden, das eine umgehende Behandlung erfordert, kann die Hebamme zusammen mit der Bordärztin oder dem Bordarzt eine Evakuierung und Einweisung in ein Krankenhaus in Italien veranlassen.
  • Psycholog*innen: Sie sind für alle Menschen an Bord zuständig, sind aber für die spezifische Bedürfnisse der Frauen besonders sensibilisiert.
  • sichere Ankunft: Der*die Schutzbeauftragte und der*die Menschenrechtsbeobachter*in stellen sicher, dass die Überlebenden nach der Ankunft in einem sicheren Hafen versorgt werden und Anlaufstellen finden.

 

Was unterstützt AMICA?

 

Mit dem Segelschiff Humanity 2 schafft SOS Humanity zusätzliche Rettungskapazität und kann flexibel und umweltschonend operieren. Die Situation auf Humanity 1 und Humanity 2 ist aber sehr unterschiedlich. Mit der Unterstützung von AMICA passt SOS Humanity sein Schutz- und Betreuungskonzept für gerettete Frauen und Kinder an.

» Unsere Partner*innen

SOS Humanity

SOS Humanity ist eine nicht­staatliche Seenot­rettungs­organisation, die 2015 von dem Kapitän und Historiker Klaus Vogel in Berlin als SOS Mediterranee gegründet wurde und 2016 mit dem Schiff Aquarius ihren ersten Einsatz im zentralen Mittelmeer fuhr. 2022 löste sich die Organisation aus dem Netzwerk von SOS Mediterranee und führt seitdem mit dem Schiff Humanity 1 unter dem Namen SOS Humanity Rettungs­einsätze durch. Seit August 2022 wurde 4.967 Menschen an Bord des Rettungsschiffes Humanity 1 gerettet (SOS Humanity, Stand Februar 2026).
Foto: Lizzie Gilson

SOS Humanity

» Mehr zum Thema

Diktatoren als Türsteher Europas. Wie die EU ihre Grenzen nach Afrika verlagert“ von Christian Jakob, Simone Schlindwein (2017)

Dossier: Frauen und Flucht. Vulnerabilität – Empowerment – Teilhabe“ von der Heinrich Böll Stiftung

Frauen auf der Flucht. Wer sie sind und was sie erlebt haben.“ von Tina Ackermann

 


Libyen

(Über-)Leben im „failed state“


Foto: Raphael Schumacher


„Nach UN-Angaben sind rund 823.000 Menschen in Libyen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Hälfte dieser Menschen kommen aus Libyen. Die andere Hälfte sind Flüchtlinge und Migrant*innen, die Libyen als Transitland erreichten.“
(UNHCR, Stand 24.7.2024)

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Report 2025

Zeugnisse von Geretteten


Foto: Jana Stallein


Das zentrale Mittelmeer bleibt eine der tödlichsten Fluchtrouten weltweit. Doch die EU setzt weiter auf Abschottung und die Auslagerung von Flüchtlingsschutz. Das geht auf die Kosten von Menschen auf der Flucht, wie der Report von SOS Humanity „Grenzen der (Un)Menschlichkeit“ zeigt.

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Foto: Zainab / Christina Brun


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