Dekret gegen Leugnung

Eine gute Nachricht aus Bosnien und Herzegowina: Letzte Woche wurde vom scheidenden Hohen Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft Valentin Inzko ein Dekret erlassen, das die Leugnung des Genozids in Srebrenica unter Strafe stellt.| Foto: © www.srebrenica-frauen.org (mehr Infos unten)

 

Die Aufarbeitung des Genozids, eine angemessene Erinnerung an die Opfer, die Unterstützung der Überlebenden, die konsequente Strafverfolgung und die Versöhnungsarbeit– all dies wurde in den letzten fast drei Jahrzehnten massiv erschwert durch gesellschaftliche Widerstände und serbisch-nationalistische Politiker*innen, die den Genozid leugnen oder verharmlosen und Kriegsverbrecher bis heute offen verherrlichen.

Selma Begic von der AMICA-Partnerorganisation in Bosnien und Herzegowina, die Opfer sexualisierter Kriegsgewalt bei Gerichtsverfahren begleitet, berichtet:

Die Leugnung des Völkermordes war eines der wichtigsten Themen, die den Staat bei der Vergangenheitsaufarbeitung behinderte und die Gerichtsverfahren extrem erschwert und verlangsamt hat. Die krampfhafte Leugnung des Völkermords, aber auch die Feier und Verherrlichung der Kriegsverbrecher dauerte jahrelang an.

Ein Erlass ist allerdings noch längst keine erfolgreiche Implementierung. „Die Umsetzung und Durchsetzung dieses Gesetzes liegt nun bei den staatlichen Institutionen. Nichtsdestotrotz ist dies zweifellos ein wichtiger Schritt in Richtung eines funktionsfähigeren Staates.“ Selma Begic fügt hinzu, dass sie aufgrund ihrer Erfahrungen mit Problemen bei der tatsächlichen Durchsetzung des Gesetzes rechnen.

"Wir freuen uns, dass nun endlich der mindeste Schritt für die Opfer und die Überlebenden getan ist“, so Sandra Takács, Bosnien-Referentin bei AMICA. „Wir werden weiterhin alles daran setzen, die Frauen bei den Gerichtsverfahren gegen die Kriegsverbrechen zu begleiten und unsere Partnerorganisation bei der Versöhnungsarbeit zu unterstützen.

  Mehr zu diesem Thema  
  Das Fotoprojekt Everyday Srebrenica, gestartet 2000 durch die Fotografin Barbara Hartmann Tumba, ist online und über Instagram zu sehen. 12 Frauen aus Srebrenica erzählen mit Handy-Fotos ihr persönliches Leben im heutigen und damaligen Bosnien. Alle waren im Krieg oder kurz danach an AMICA-Projekten beteiligt.

Weitere Nachrichten

Newsletter Nov. 2022


In unserem neuen Newsletter finden Sie Neuigkeiten zu unserer Arbeit in der Ukraine und in Libyen sowie alle AMICA-Veranstaltungen im November und Dezember. Sie wollen informiert bleiben? Hier können Sie das Formular ausfüllen und den Newsletter "AMICA in Kürze" abonnieren.

Weiterlesen

Treffen in Warschau


Gestärkt und tief beeindruckt kommen wir aus Warschau zurück. Dort haben wir letzte Woche Anfang August seit Beginn des Angriffskriegs, unsere ukrainischen Partnerinnen Marina, Katerina und Olha persönlich getroffen. Es waren drei intensive Arbeitstage voller Verbundenheit und Menschlichkeit. Hier ein paar Reiseeindrücke.

Weiterlesen

Feministische Außenpolitik


Im Koalitionsvertrag 2021-2025 bekennt sich die deutsche Bundesregierung zu einer feministischen Außenpolitik. Was muss sich strukturell und inhaltlich ändern, damit zu Recht von einer feministischen Außenpolitik Deutschlands gesprochen werden kann? Antworten enthält ein gemeinsames Policy Brief, das am 9. August 2022 erschien.

Weiterlesen

1 2 3 19
Spenden