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Libysche Frauen begleiten – Zivilgesellschaft stärken

Seit dem Sturz des Regimes befindet sich Libyen in einem grundlegenden Wandel. Das Land ist zutiefst gespalten und befindet sich seit Mitte 2014 in einem bürgerkriegsähnlichen Zustand. Seit 2012 fördert AMICA e.V. die Entwicklung neu gegründeter Frauenorganisationen und trägt zum Aufbau von psychosozialen Dienstleistungen und Anlaufstellen bei. 2016 wurde unser Projekt in Libyen mit dem Eine-Welt-Preis Baden-Württemberg der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit (SEZ) ausgezeichnet.

 

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Zukunft Libyens: Starke Frauen

Warum wir uns einsetzen – Frauen im Bürgerkriegsland Libyen brauchen Unterstützung

Nichts funktioniert mehr in Libyen. Öffentliche Dienste, die Sicherheit und Soziales betreffen, sind zusammengebrochen, auf den Straßen herrscht Willkür. Strom, Wasser, Lebensmittel und Benzin sind Mangelware. Schon vor Sonnenaufgang reihen sich endlose Schlangen vor den Banken und Geldautomaten. Die Menschen trotzen eisigen Regenschauern und glühender Hitze, angetrieben von der Hoffnung auf Bargeld. Doch es gibt keines, weder Münzen noch Scheine, keine libyschen Dinar und schon gar keine ausländischen Währungen. Bargeld ist zu einem raren Gut geworden. Seit dem Ausbruch des Bürgerkiegs 2014 liegt das Land im Chaos, während sich zwei konkurrierende Regierungen um die Macht streiten und die Spaltung vorantreiben.

Frauen zählen zu den Hauptleidtragenden des Konflikts. Unter teils unmöglichen Bedingungen versorgen viele ihre Großfamilien und erledigen ihre täglichen Aufgaben. Für Mütter mit Säuglingen und Kleinkindern ist die Lage besonders bedrohlich, denn es gibt kaum noch Medikamente. Die medizinische Versorgung ist sehr schlecht und wer kann, lässt sich im Ausland behandeln. Gewalt ist weit verbreitet, auch innerhalb der Familien, und unterliegt gleichzeitig starken Tabus. Deshalb finden die Betroffenen häufig selbst unter ihren Angehörigen niemanden, dem sie sich anvertrauen können. Zu groß ist die Angst vor sozialer Ausgrenzung. Untersützung von staatlicher Seite fehlt, bestehende Gesetze werden nicht umgesetzt. Zudem kennen viele Frauen ihre Rechte nicht und wissen nicht, wo sie Rat und Hilfe finden.

Was wir tun – Beratungsangebote und Schutzräume

Gemeinsam mit unseren Partnerinnen vor Ort betreiben wir im Osten und im Westen des Landes Frauenzentren. Dort schaffen wir für die Klientinnen eine sichere Umgebung, in der sie sich den Sozialarbeiterinnen und Anwältinnen anvertrauen können. Diese haben für die Frauen ein offenes Ohr und beraten sie in allen Fragen. Zudem betreiben wir ein SOS-Telefon für Notsituationen und unterstützen vertriebene Frauen und ihre Familien wirtschaftlich durch Nähwerkstätten, Englisch- und Computerkurse.

Im Zuge der Kämpfe in der ostlibyschen Stadt Bengasi musste das Team das Zentrum aufgrund der Gefährdungslage schließen und in einem sichereren Stadtteil neu aufbauen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Partnerorganisationen kümmern sich seit Beginn der Kämpfe verstärkt um Binnenflüchtlinge. Mehr als 100 000 Einwohner Bengasis mussten ihre Häuser verlassen. In Tripolis harren  über 50.000 Menschen aus, die teils aus benachbarten Orten geflohen sind.

Durch regelmäßige Beratung der Teams vor Ort unterstützen wir unsere libyschen Partnerorganisationen in dieser sehr schwierigen Zeit und helfen ihnen, viele neue Aufgaben zu bewältigen. Auf diese Weise tragen wir zur Weiterentwicklung der Fraueninitiativen und zum Aufbau der Zivilgesellschaft in Libyen bei.

Computerkurs im Frauenzentrum. Straßenszene in Tripolis. Beratung durch Sozialarbeiterinnen und Rechtsanwältinnen.

Was wir erreichen – Hoffnung und Geborgenheit

„Mir ist, als könnte ich fliegen. Jetzt habe ich wieder Hoffnung.“ So schilderte eine Besucherin des Zentrums ihre Gefühle. Immer mehr Frauen fassen Vertrauen zu den Mitarbeiterinnen und fragen gezielt nach Unterstützung – ein großer Erfolg in einem Land, in dem Gewalt gegen Frauen ein Tabu ist. Anklang finden beispielsweise Entspannungsübungen, die bei „Posttraumatischer Belastungsstörung“ Entlastung schaffen. Für viele Klientinnen ist „ihr“ Zentrum ein wichtiger sozialer Treffpunkt geworden, den sie mitgestalten und weiterempfehlen.

Beharrlich bauen unsere libyschen Partnerinnen auf den bisherigen Erfolgen auf und beziehen neues Wissen in ihre Arbeit ein. Wir tragen dazu bei, dass ihre Organisationen langfristig bestehen und sich neben der täglichen Arbeit auch an wegweisenden politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen beteiligen.

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Das Projekt wird finanziell vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

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Bereits 50 € sichern den Rechtsbeistand, 80 € die Weiterbildung und 150 € die psychologische Betreuung für eine Frau im Krisengebiet:

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